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Riester oder Altersvorsorgedepot? Was sich ändert und warum Förderung allein nicht reicht

  • Autorenbild: Christoph Burde
    Christoph Burde
  • 5. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Die Riester-Rente wird oft kritisiert. Zu kompliziert, zu teuer, zu wenig Rendite. Gleichzeitig steht mit dem geplanten Altersvorsorgedepot bereits ein möglicher Nachfolger in den Startlöchern.



Doch war Riester wirklich so schlecht? Und wird das neue Altersvorsorgedepot automatisch die bessere Lösung für alle?

Die Antwort ist – wie so oft bei der Altersvorsorge – etwas differenzierter.

In diesem Artikel schauen wir uns an:

  • Illustration eines Wegweisers zur Altersvorsorge mit den Optionen Riester-Rente und Altersvorsorgedepot. Eine Person steht an einer Weggabelung und vergleicht beide Vorsorgemodelle. Die Grafik symbolisiert die Entscheidung zwischen klassischer staatlich geförderter Altersvorsorge und dem geplanten Altersvorsorgedepot. Minimalistisches Design in Rot-, Grau- und Schwarztönen.
    Quelle: Chat GPT
  • Wie Riester bisher funktioniert hat

  • Warum die Förderung teilweise attraktiv war

  • Welche Schwächen das System hatte

  • Was das neue Altersvorsorgedepot anders machen soll

  • Für wen welches Modell interessant sein könnte


Warum Riester ursprünglich eine gute Idee war

Die Grundidee hinter Riester war eigentlich sinnvoll:

Der Staat erkannte, dass die gesetzliche Rente künftig allein nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.


Deshalb sollte private Altersvorsorge gefördert werden. Wer zusätzlich fürs Alter spart, erhält dafür staatliche Unterstützung. Grundsätzlich halte ich diesen Gedanken weiterhin für richtig. Denn jede Form von zusätzlicher Altersvorsorge hilft dabei, spätere Versorgungslücken zu schließen. Das eigentliche Problem lag aus meiner Sicht nie in der Idee selbst, sondern häufig in der Umsetzung.


So funktionierte die Riester-Förderung


Das bisherige Riester-System bestand aus mehreren Förderbausteinen:

Grundzulage

  • 175 Euro pro Jahr


Kinderzulage

  • Für vor 2008 geborene Kinder: 185 Euro jährlich

  • Für ab 2008 geborene Kinder: 300 Euro jährlich


Berufseinsteigerbonus

  • Einmalig 200 Euro

  • Für Personen unter 25 Jahren


Auf den ersten Blick klingt das attraktiv.

Der Haken:

Um die volle Förderung zu erhalten, musste ein bestimmter Mindestbeitrag eingezahlt werden. Dieser lag bei:

4 % des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens

abzüglich der Zulagen.

Genau hier wurde Riester für viele Menschen unnötig kompliziert.


Wann Riester durchaus attraktiv sein konnte

Gerade Familien profitierten teilweise erheblich von der Förderung.


Beispiel

Ein Elternteil mit:

  • 2 Kindern

  • Grundzulage 175 Euro

  • 2 × 300 Euro Kinderzulage

erhielt jährlich: 775 Euro staatliche Förderung

Bei niedrigem Einkommen konnte die Förderquote dadurch erstaunlich hoch werden.

Rein aus Fördersicht war Riester also keineswegs immer schlecht.


Das eigentliche Problem: Nicht die Förderung, sondern das Produkt

Viele Diskussionen drehen sich ausschließlich um die Höhe der Zulagen.

Dabei ist die wichtigere Frage:


Was passiert eigentlich mit dem Geld?

Denn entscheidend sind:

  • Kosten

  • Rendite

  • Flexibilität

  • Besteuerung

  • Anlagestrategie


Eine hohe Förderung bringt wenig, wenn:

  • hohe Kosten entstehen,

  • das Geld kaum Rendite erwirtschaftet,

  • oder die Inflation langfristig die Kaufkraft auffrisst.


Die größte Schwäche von Riester: Die Beitragsgarantie

Ein zentrales Merkmal vieler Riester-Verträge war die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie. Das bedeutete: Zum Rentenbeginn mussten mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen verfügbar sein. Klingt zunächst hervorragend. Hat aber einen Preis. Denn wenn ein Anbieter diese Garantie erfüllen muss, kann er das Geld nicht vollständig in Aktien oder ETFs investieren.


Die Folge:

  • geringere Aktienquote

  • geringere Renditechancen

  • weniger Kapitalmarktbeteiligung

Gerade für junge Menschen mit 30 oder 40 Jahren Laufzeit war das häufig ein Nachteil.


Was macht das neue Altersvorsorgedepot anders?

Das geplante Altersvorsorgedepot soll vieles vereinfachen.

Neue Förderung

Geplant ist:

  • Bis 360 Euro Eigenbeitrag: 50 % Förderung

  • Danach: 25 % Förderung auf weitere Beiträge

  • Maximaler Eigenbeitrag: 1.800 Euro jährlich


Beispiel

Eigenbeitrag: 1.800 Euro jährlich

Förderung: 540 Euro jährlich

Im Vertrag landen: 2.340 Euro

Die Förderung ist damit deutlich einfacher nachvollziehbar als im bisherigen Riester-Modell.


Der größte Vorteil: Garantien werden freiwillig

Aus meiner Sicht ist das die wichtigste Änderung überhaupt.

Nicht die Förderung.

Nicht die Zulagen.

Sondern die Wahlfreiheit.


Künftig soll es möglich sein:

  • mit Garantien zu sparen

  • oder bewusst auf Garantien zu verzichten

Gerade junge Anleger könnten dadurch stärker vom Kapitalmarkt profitieren.

Denn: Langfristig ist häufig nicht die Schwankung das größte Risiko.

Sondern zu wenig Rendite.


Wie sieht es mit den Kosten aus?

Aktuell ist ein Kostendeckel von maximal 1 % vorgesehen.

Das wäre ein deutlicher Unterschied zu vielen älteren Riester-Verträgen.

Ob die späteren Produkte tatsächlich attraktiv werden, wird sich allerdings erst zeigen.

Entscheidend wird sein:

  • Welche Anbieter mitmachen

  • Welche ETFs auswählbar sind

  • Wie transparent die Produkte werden

  • Welche tatsächlichen Kosten entstehen


Förderung allein reicht nicht

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Diskussion.

Viele Menschen schauen ausschließlich auf die Förderung.

Dabei sollte man immer zusätzlich fragen:

  • Wie wird investiert?

  • Welche Rendite ist möglich?

  • Welche Kosten entstehen?

  • Wie flexibel ist das Produkt?

  • Wie erfolgt später die Auszahlung?

100 Euro Förderung helfen wenig, wenn das Produkt über Jahrzehnte zu wenig Rendite erzielt.


Würde ich heute noch einen Riester-Vertrag abschließen?

In den meisten Fällen wahrscheinlich eher nicht.

Aber eben nicht grundsätzlich nie. Es gibt weiterhin Konstellationen, in denen Riester interessant sein kann:


Beispielsweise bei:

  • Familien mit mehreren Kindern

  • Menschen mit niedrigem Einkommen

  • Personen kurz vor dem Ruhestand

  • Menschen mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis

Für viele jüngere Menschen erscheinen die neuen Altersvorsorgedepot-Modelle jedoch deutlich spannender.


Fazit: Nicht das Produkt entscheidet – sondern der Plan

Weder „Riester ist schlecht“ noch „Altersvorsorgedepot ist perfekt“ sind hilfreiche Aussagen.


Die bessere Frage lautet:

Was möchtest du erreichen?

  • Brauchst du maximale Förderung?

  • Legst du Wert auf Garantien?

  • Möchtest du möglichst hohe Renditechancen?

  • Ist dir Flexibilität wichtig?

  • Wie sieht deine persönliche Rentenlücke aus?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich entscheiden, welches Vorsorgemodell wirklich zu dir passt.

Denn gute Altersvorsorge beginnt nicht mit einem Produkt.

Sie beginnt mit einem Plan.


Du möchtest wissen, welche Lösung zu dir passt?

Dann analysieren wir gemeinsam:

  • deine Rentenlücke

  • mögliche Förderungen

  • deine Risikobereitschaft

  • passende Vorsorgestrategien

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