Berliner Halbmarathon: Warum 2:04 Minuten gleichzeitig Erfolg und Frust sein können
- Christoph Burde
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Man läuft keinen Halbmarathon einfach so.
Zumindest war das lange mein Gedanke. 21,1 Kilometer waren für mich immer eine Distanz, die man sich verdienen muss – mit Training, Disziplin und einer Portion mentaler Stärke.
In der letzten Podcastfolge habe ich erzählt, dass ich beim Berliner Halbmarathon wieder unter zwei Stunden laufen wollte. Jetzt ist das Rennen vorbei – und ich nehme dich einmal mit durch meinen Lauf, meine Gedanken während des Rennens und warum eine Zeit von 2:04 Stunden gleichzeitig ein Fortschritt und trotzdem nicht ganz zufriedenstellend sein kann.
Die Tage vor dem Lauf: Expo, Nervosität und Pasta

Der Berliner Halbmarathon beginnt eigentlich schon vor dem eigentlichen Start.
Am Tag davor geht es zur Expo, der Messe rund um den Lauf. Dort holt man seine Startunterlagen ab, sieht tausende andere Läuferinnen und Läufer – und merkt plötzlich: Jetzt wird es ernst.
Allein durch diese Atmosphäre steigt die Aufregung. Rund 40.000 Menschen sind bei diesem Event am Start.
Bei mir kam noch etwas dazu:Die Nacht davor war wegen der Zeitumstellung ohnehin etwas kürzer als geplant.
Ausschlafen ist sowieso keine Option – große Läufe starten meistens früh am Morgen. Also hieß es: früh raus, früh frühstücken und möglichst entspannt zum Startblock kommen.
Zum Glück hat das diesmal sehr gut funktioniert.
Der Start: Alles läuft nach Plan
Die ersten Kilometer liefen tatsächlich besser als erwartet.
Um unter zwei Stunden zu bleiben, muss man im Schnitt etwa 5:42 Minuten pro Kilometer laufen. Genau dieses Tempo hatte ich mir vorgenommen.
Mein Plan war zusätzlich, nicht nur auf die Zeit zu schauen, sondern auch auf den Puls:
Kilometer 1–5: Pulsbereich etwa 150–155
Kilometer 6–10: leicht steigender Puls, aber kontrolliert
Und genau das funktionierte erstaunlich gut.
Nach zehn Kilometern war ich exakt im geplanten Schnitt von 5:42 Minuten pro Kilometer. Der Puls war zwar etwas höher als geplant, aber es fühlte sich gut an.
In diesem Moment dachte ich wirklich:
Heute könnte es klappen.
Vielleicht sogar unter 1:58 Stunden.
Kilometer 13: Der Moment, in dem es schwer wird
Wer schon einmal einen Halbmarathon gelaufen ist, kennt diesen Punkt.
So ungefähr ab Kilometer 13 wird es plötzlich deutlich anstrengender.
Der Körper arbeitet härter, der Puls steigt und das Tempo zu halten wird schwieriger.Trotzdem war der Unterschied zu den letzten Jahren deutlich spürbar: Ich war diesmal körperlich besser vorbereitet.
Aber dann kam der Abschnitt zwischen Kilometer 14 und 17.
Hier wurde es langsam kritisch.
Das Tempo fiel von 5:42 auf etwa 6 Minuten pro Kilometer. Und irgendwann kommt der Moment, in dem man beginnt zu rechnen.
Du weißt plötzlich: Die zwei Stunden werden heute nichts mehr.
Der mentale Kampf
Der schwierigste Teil kam für mich ab Kilometer 17.
Die Strecke führte an diesem Punkt eine Schleife entlang, bei der man einen Abschnitt hin und später wieder zurückläuft.
Das bedeutet: Du siehst genau, wo du gleich wieder vorbeikommen wirst.
Ich persönlich finde das unglaublich demotivierend.
In diesem Moment war klar: Die Sub-2 Stunden sind weg.
Und genau dann kommen die typischen Gedanken:
Hättest du mehr trainieren müssen?
War die Vorbereitung nicht gut genug?
Hättest du mehr lange Läufe machen müssen?
Trotzdem war mir auch bewusst:
Die Zeit wird deutlich besser als in den letzten Jahren.
Die Zielzeit: 2:04 Stunden
Am Ende stoppte die Uhr bei:
2 Stunden und 4 Minuten
Und mein erster Gedanke im Ziel war ehrlich gesagt:
Ärger.
Weil man weiß, wie nah man dran war.
Aber gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, wo ich herkomme.
Meine Zeiten der letzten Jahre lagen eher bei:
2:15
2:17
Vor Corona bin ich einmal 1:53 / 1:54 gelaufen. Seitdem war ich davon weit entfernt.
Im Vergleich dazu ist 2:04 eine enorme Verbesserung.
Stolz kommt oft erst später

Direkt nach dem Zieleinlauf fühlt sich vieles noch chaotisch an.
Der Körper ist leer. Der Kopf beschäftigt sich mit allen möglichen „Was wäre wenn“-Gedanken.
Erst ein paar Stunden später kam bei mir das Gefühl:
Eigentlich kannst du darauf stolz sein.
Denn eines darf man nicht vergessen:
21 Kilometer am Stück zu laufen ist keine Kleinigkeit.
Viele melden sich an – aber nicht alle kommen ins Ziel.
Und wer es schafft, hat definitiv etwas erreicht.
Das Ziel bleibt trotzdem
Auch wenn ich mich über die Verbesserung freue:
Das Ziel ist weiterhin klar.
Die zwei Stunden müssen fallen.
Das bedeutet für mich:
konsequenter trainieren
mehr strukturierte Einheiten
eventuell häufiger mit anderen zusammen laufen
Denn eines ist klar:
Beim Halbmarathon gibt es keine Abkürzung.
Fazit: Erfolg fühlt sich manchmal trotzdem wie ein halber Sieg an
Der Berliner Halbmarathon hat mir zwei Dinge gezeigt:
Fortschritt ist möglich
Zufriedenheit kommt manchmal erst mit Abstand
Eine Zeit von 2:04 Stunden ist objektiv gesehen stark.
Aber gleichzeitig zeigt sie mir auch:
Da geht noch mehr.
Und genau deshalb geht das Training jetzt weiter.
Der nächste Lauf kommt bestimmt.




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