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Welche Versicherungen brauche ich wirklich? Sinnvoll absichern statt alles versichern

Autorenbild: Christoph Burde
Christoph Burde
11. Sept.
6 Min. Lesezeit

Versicherungen gibt es für fast alles.

Für Handys. Für Tickets. Für Waschmaschinen. Für Fahrräder. Für Reisen. Für Haustiere. Für Beerdigungen. Für Autos. Für Häuser. Für Arbeitskraft. Für Gesundheit.

Theoretisch kannst du fast jedes Risiko absichern.

Die entscheidende Frage ist aber nicht:


„Welche Versicherung könnte ich abschließen?“

Die bessere Frage lautet:

„Welches Risiko kann ich selbst tragen – und welches würde mich finanziell richtig in Schwierigkeiten bringen?“


Genau das ist der Kern einer sinnvollen Versicherungsstrategie.

Denn gut versichert ist nicht derjenige, der möglichst viele Verträge hat. Gut versichert ist derjenige, der die richtigen Risiken abgesichert hat.


Mein Grundprinzip: Große Risiken versichern, kleine Risiken selbst tragen

Versicherung bedeutet für mich nicht, jeden kleinen Schaden an einen Versicherer auszulagern.


Versicherung bedeutet für mich:

Ich überlege bewusst, welche finanziellen Folgen ein Schaden hätte.

Wenn ein Risiko eintritt und mich finanziell massiv belastet oder sogar meine Existenz bedroht, möchte ich dieses Risiko normalerweise nicht selbst tragen.

Dann ist Versicherung sinnvoll.

Wenn ich den Schaden dagegen problemlos selbst zahlen kann, muss ich ihn nicht zwingend versichern.


Klar, auch kleine Schäden tun weh.

Eine kaputte Waschmaschine nervt.Ein kaputtes Handy ärgert.Ein selbst verursachter Schaden am eigenen Anhänger ist bitter.

Aber das ist etwas anderes als ein Risiko, das dich finanziell aus der Bahn wirft.


Minimalistische Illustration mit rotem Schutzschirm über Symbolen für Arbeitskraft, Gesundheit und Haftpflicht. Kleine Risiken wie Handy und Veranstaltungsticket liegen außerhalb. Symbolbild für sinnvolle Versicherungen, Risikomanagement und existenzielle Absicherung.
erstellt mit ChatGPT

Die wichtigste Frage bei jeder Versicherung

Bevor du eine Versicherung abschließt oder kündigst, stell dir zwei Fragen:

1. Was passiert finanziell, wenn dieses Risiko wirklich eintritt?

2. Kann und will ich diesen Schaden selbst bezahlen?


Wenn die Antwort lautet:

„Ja, das kann ich problemlos selbst tragen.“

Dann brauchst du dafür nicht automatisch eine Versicherung.

Wenn die Antwort lautet:

„Nein, das würde mich finanziell massiv treffen.“

Dann solltest du sehr genau prüfen, ob du ausreichend abgesichert bist.


Diese Versicherungen würde ich persönlich nicht kündigen

Natürlich ist jede Situation individuell. Was für mich sinnvoll ist, muss nicht automatisch für dich gelten.

Aber es gibt einige Versicherungen, bei denen ich persönlich sehr klar bin.


1. Berufsunfähigkeitsversicherung: Absicherung deiner Arbeitskraft

Die Berufsunfähigkeitsversicherung würde ich persönlich nicht freiwillig kündigen.

Der einzige Fall, in dem ich darüber nachdenken würde:

Wenn ich finanziell so frei wäre, dass es völlig egal ist, ob ich noch arbeiten gehe oder nicht.

Solange das nicht der Fall ist, bin ich darauf angewiesen, mit meiner Arbeitskraft Geld zu verdienen.


Und genau diese Arbeitskraft ist für viele Menschen der größte Vermögenswert überhaupt.

Ein kaputtes Handy kostet vielleicht 1.000 Euro.Ein kaputtes Auto vielleicht 30.000 Euro.

Aber wenn du über Jahre oder Jahrzehnte kein Einkommen mehr erzielen kannst, reden wir schnell über mehrere hunderttausend Euro.


Mach die Rechnung einmal grob selbst:

  • Rentenalter minus aktuelles Alter

  • mal 12 Monate

  • mal dein aktuelles Nettoeinkommen


Dann bekommst du eine Idee davon, wie viel Einkommen ausfallen könnte.

Dabei sind noch keine Gehaltserhöhungen, keine Inflation und keine Karriereentwicklung berücksichtigt.

Genau deshalb ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für viele Menschen keine Luxusversicherung, sondern Einkommensschutz.


2. Krankenversicherung: Gesundheit ist kein Sparprojekt

Die Krankenversicherung ist natürlich grundsätzlich Pflicht. Trotzdem lohnt sich der Blick auf den Umfang des Schutzes.

Gerade wenn du privat krankenversichert bist oder Zusatzbausteine hast, solltest du nicht leichtfertig sagen:


„Das kündige ich mal raus, später kann ich es ja wieder dazunehmen.“

Vielleicht kannst du es später wieder dazunehmen.

Vielleicht aber auch nicht.


Denn bei vielen Gesundheitsabsicherungen spielen Gesundheitsfragen eine große Rolle.

Solange du gesund bist, hast du deutlich mehr Möglichkeiten. Du kannst vergleichen, wechseln, erweitern oder optimieren.


Sobald größere Diagnosen in deiner Krankenakte stehen, sieht das anders aus.

Dann kann es sein, dass bestimmte Absicherungen:

  • teurer werden,

  • nur mit Ausschlüssen möglich sind,

  • oder gar nicht mehr angeboten werden.


Deshalb gilt besonders bei Gesundheitsabsicherungen:

Warte nicht, bis du sie brauchst. Dann ist es häufig zu spät.


3. Private Haftpflichtversicherung: Kleine Prämie, riesiges Risiko

Die private Haftpflichtversicherung ist für mich eine absolute Pflichtversicherung – auch wenn sie gesetzlich nicht vorgeschrieben ist.

Warum?

Weil sie exakt zu meinem Grundprinzip passt:

Kleine Schäden kann ich selbst tragen.Existenzbedrohende Schäden nicht.

Wenn du versehentlich eine Vase beschädigst, ist das ärgerlich. Aber in der Regel nicht existenzbedrohend.


Wenn du aber durch einen Fehler einen anderen Menschen schwer verletzt, reden wir über ganz andere Summen:

  • Behandlungskosten

  • Verdienstausfall

  • Schmerzensgeld

  • Pflegekosten

  • lebenslange Ansprüche


Das kann finanziell komplett eskalieren.

Und genau dafür ist eine private Haftpflichtversicherung da.

Sie schützt dich nicht vor dem Fehler. Aber sie schützt dich vor den finanziellen Folgen, wenn du für einen Schaden verantwortlich bist.


Diese Versicherungen habe ich bewusst nicht

Jetzt wird es mindestens genauso spannend.

Denn nur weil ich Versicherungen beruflich erkläre, heißt das nicht, dass ich alles selbst versichere.

Ganz im Gegenteil.

Ich bin kein Fan davon, jedes Risiko abzusichern, nur weil es theoretisch geht.


1. Sterbegeldversicherung: Sinnvoll – aber nicht für jeden

Eine Sterbegeldversicherung habe ich persönlich nicht.

Nicht, weil ich sie grundsätzlich schlecht finde.

Für bestimmte Menschen kann sie sogar sehr sinnvoll sein.


Zum Beispiel, wenn jemand:

  • keine ausreichenden Rücklagen hat,

  • Angehörige finanziell entlasten möchte,

  • gesundheitlich keine anderen Absicherungen mehr bekommt,

  • oder bewusst eine zweckgebundene Lösung für Bestattungskosten sucht.


Viele Sterbegeldversicherungen kommen ohne umfangreiche Gesundheitsprüfung aus. Dafür gibt es häufig Wartezeiten oder eingeschränkte Leistungen in den ersten Jahren.

Für mich persönlich ist sie aktuell nicht notwendig, weil ich bereits anderweitig Vermögen aufbaue – zum Beispiel über Altersvorsorge, ETF-Sparen oder andere Rücklagen.


Wenn ich versterben sollte, wäre aus meiner Sicht genug Kapital vorhanden, damit meine Hinterbliebenen nicht finanziell belastet werden.

Das ist der entscheidende Punkt:

Nicht die Versicherung ist schlecht.Sie passt nur nicht zwingend zu jeder Situation.


2. Vollkasko für jedes Fahrzeug? Nicht automatisch

Ein weiteres Beispiel: Kfz- oder Anhängerversicherung.

Ich habe mir einen Anhänger gekauft und bewusst abgewogen:

Teilkasko oder Vollkasko?

Die Teilkasko kann sinnvoll sein, wenn es um Risiken geht, auf die ich wenig Einfluss habe:

  • Diebstahl

  • Brand

  • Sturm

  • Hagel

  • bestimmte Naturereignisse


Die Vollkasko würde zusätzlich eigene selbst verursachte Schäden absichern.

Und genau da habe ich für mich entschieden:


Wenn ich den Anhänger selbst beschädige, ist das ärgerlich. Aber dieses Risiko trage ich bewusst selbst.


Wäre die Vollkasko extrem günstig gewesen, hätte ich vielleicht anders entschieden.

Aber in diesem Fall passte das Verhältnis aus Beitrag und Risiko für mich nicht.

Genau darum geht es:


Nicht pauschal ja.Nicht pauschal nein.Sondern bewusst entscheiden.


Warum ich Selbstbeteiligungen sinnvoll finde

Ich bin ein großer Fan von Selbstbeteiligungen.

Warum?

Weil man nicht jeden kleinen Schaden über eine Versicherung abrechnen muss.

Schäden von 150, 300 oder vielleicht auch 500 Euro sind ärgerlich. Aber wenn sie dich nicht finanziell aus der Bahn werfen, kannst du sie unter Umständen selbst tragen.


Eine Selbstbeteiligung kann zwei Vorteile haben:

  1. Der Beitrag wird häufig günstiger.

  2. Die Versicherung bleibt für große Schäden da.


Das passt zu einer sauberen Risikostrategie.

Du überträgst die großen Risiken auf den Versicherer und behältst kleinere Risiken selbst.

Ein weiterer Punkt:


Wer ständig kleine Schäden einreicht, kann für Versicherer unattraktiv werden.

Mehrere kleinere Schäden in kurzer Zeit können dazu führen, dass Beiträge steigen oder der Versicherer den Vertrag beendet.

Auch deshalb ist es nicht immer klug, jeden kleinen Schaden sofort einzureichen.


Versicherungen, bei denen ich besonders kritisch bin

Es gibt Versicherungen, bei denen ich persönlich sehr zurückhaltend bin.

Nicht, weil sie niemals leisten.

Sondern weil das Verhältnis aus Beitrag, Leistung und tatsächlichem Risiko oft schwach ist.


Garantieverlängerungen für Elektrogeräte

Beim Kauf von Waschmaschine, Fernseher, Laptop oder Küchengerät werden häufig zusätzliche Garantieverlängerungen angeboten.

„Nur wenige Euro im Monat.“

Klingt erstmal harmlos.


Aber genau hier solltest du kritisch sein.

Wenn eine kaputte Waschmaschine dich finanziell komplett aus der Bahn wirft, ist nicht die fehlende Garantieversicherung dein größtes Problem.

Dann fehlt dir wahrscheinlich eher ein Notgroschen.


Eine sinnvolle Finanzstruktur bedeutet:

Du hast Rücklagen für planbare und typische Alltagsrisiken.


Dazu gehören Dinge wie:

  • Waschmaschine kaputt

  • Kühlschrank defekt

  • Handy beschädigt

  • kleine Reparaturen


Solche Risiken solltest du nicht zwingend über teure Zusatzversicherungen lösen, sondern über Rücklagen.


Ticketversicherungen

Auch Ticketversicherungen werden sehr häufig angeboten.

Konzertticket gekauft – direkt erscheint die Frage:

„Möchten Sie Ihr Ticket absichern?“

Ich persönlich lehne das meist ab.

Warum?

Weil die Bedingungen häufig enger sind, als viele denken.

In vielen Fällen reicht es nicht, dass du einfach keine Lust hast oder dich unwohl fühlst. Häufig braucht es ernsthafte Gründe, Nachweise oder bestimmte Voraussetzungen.


Und dann stellt sich wieder die Frage:

Lohnt sich die Versicherung wirklich für ein Risiko von vielleicht 100 oder 150 Euro?

Wenn du im Krankenhaus liegst, hast du wahrscheinlich andere Sorgen, als dich um die Rückerstattung eines Konzerttickets zu kümmern.

Für mich ist das oft kein gutes Verhältnis.

Sei dein eigener Risikomanager

Das zentrale Prinzip lautet:

Erkenne deine Risiken. Minimiere sie. Entscheide bewusst, welche du selbst trägst und welche du überträgst.


Oder einfacher:

Versichere nicht alles.

Versichere das, was dich wirklich gefährden kann.


Dazu gehören häufig:

  • Arbeitskraft

  • Gesundheit

  • Haftungsrisiken

  • existenzielle Sachwerte

  • Familie und finanzielle Verpflichtungen


Nicht zwingend dazu gehören:

  • jedes Kleingerät

  • jedes Ticket

  • jeder kleine Alltagsärger

Versicherung ist kein Sammelalbum.


Mehr Verträge bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit.

Fazit: Nicht viele Versicherungen zählen – sondern die richtigen

Wenn du deinen Versicherungsordner öffnest, stell dir nicht zuerst die Frage:

„Welche Versicherung fehlt mir noch?“

Oder:

„Warum zahle ich hier so viel?“


Stell dir besser bei jedem Vertrag diese zwei Fragen:

Was passiert finanziell, wenn dieses Risiko eintritt?

Kann und will ich diesen Schaden selbst tragen?

Wenn ja, brauchst du dafür nicht automatisch eine Versicherung.

Wenn nein, solltest du sehr genau prüfen, ob dein Schutz ausreicht.

Denn am Ende ist nicht derjenige am besten versichert, der die meisten Verträge hat.

Sondern derjenige, der die richtigen Risiken abgesichert hat.

 
 
 

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